History

Wie (in Berlin) alles begann
Die Berliner Skateboard-Szene blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Bereits 1977 gründete sich der 1. Berliner Skateboardverein e.V. um den Sport zu fördern und die Interessen der Skateboard-Szene zu vertreten. Genauso alt wie der Verein sind auch die Bemühungen der Skateboarder für eigene Trainingsstätten. Die erste Outdoor-Trainingsstätte konnte der Verein im Wilmersdorfer Eisstadion in den 70er Jahren errichten. Während nach und nach in Berlin Outdoor-Skateparks gebaut wurden, gab es zu keiner Zeit eine dauerhafte Indoor-Trainingsstätte und in den langen Wintern fielen die Skateboarder Jahr für Jahr regelrecht in einen Winterschlaf. So blieb der Skateboard-Sport trotz guter Möglichkeiten im Freien weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Eine von mehreren Initiativen des 1. Berliner Skateboardverein e.V. eine ganzjährige Trainingsstätte in Berlin zu schaffen, war die Nutzung der Halle an der Saarbrücker Straße. 2002 musste sie jedoch nach nur zwei Jahren wieder schließen und steht damit exemplarisch für die vielen Versuche und die Schwierigkeiten, in Berlin eine Skatehalle zu etablieren.

Während das Interesse in Berlin am Skateboarding spürbar stieg und das Outdoor-Angebot zu der Zeit mit rund 60 Skateparks bereits relativ groß war, fehlte wieder eine überdachte Trainingsstätte. Im Winter 2002/2003 war der Fußgängertunnel am ICC Kongresscenter der Ort, an dem die Berliner Skateboard-Szene Zuflucht vor Schnee und Regen suchte und sich zum Skaten traf. Für den harten Kern der Szene war dieser Zustand nicht tragbar. Ab 2003 konzentrierte sich der 1. Berliner Skateboardverein e.V. deshalb wieder verstärkt auf die Schaffung einer Skatehalle.

Machbarkeitsstudie für eine Skatehalle in Berlin

Die Skate-Sessions am ICC schweißte die Leute zusammen und eine neue Generation von motivierten und engagierten Skateboardern brachte frischen Wind in den Verein. Die Skateboarder suchten in allen Richtungen nach Möglichkeiten, ihr Ziel irgendwie umzusetzen und sammelten Unterstützungs-Unterschriften für eine Skatehalle . Unter den Aktiven im Verein war u.a. Tobias Freitag, der als Werkstudent der S.T.E.R.N. Gesellschaft für behutsame Stadtentwicklung mbH eine Machbarkeitsstudie für eine Skatehalle in Berlin erarbeitete. Im Rahmen dieser Studie wurden Vergleiche mit anderen deutschen Städten aufgestellt, bei denen sich herausstellte, dass alle funktionierenden Betreiber-Modelle öffentlich gefördert wurden.

In Gesprächen mit den zuständigen Behörden und Institutionen taten sich in Berlin zwar keine Fördermöglichkeiten für die Errichtung und den Betrieb einer solchen Halle auf, dafür wurden aber zwei potenzielle Orte gefunden, die genauer untersucht wurden. Die erste Option war eine Traglufthalle im Jahn-Sport-Park, die dem Land Berlin gehörte. Trotz langfristiger Nutzungsperspektive bot eine aufblasbare Plastikhalle einfach nicht den „Style“, den man sich selbst als Anspruch für dieses Projekt gesetzt hatte.

Anders verhielt es sich am zweiten Standort, dem alten Reichsbahn-ausbesserungswerk (RAW) in Friedrichshain, damals im Besitz der Vivico Real Estate GmbH, einer Tochtergesellschaft des Bundes. Die zentrale Lage und der ruinöse Charme des ehemaligen Industriegeländes entsprachen dem Geist des Skateboarding, Gebäude und Flächen entgegen seiner eigentlichen Bestimmung zum Skaten zu benutzen. Zudem erfüllte die ehemalige Schmiedehalle viele der Anforderungen an Größe und Beschaffenheit. Das Zusammenspiel der Schmiedehalle mit dem oberirdischen Spitzbunker als höchstem Gebäude auf dem Gelände und den Achsen-Abstellgleisen, die sich nach rund 10 Jahren Leerstand in einen wildwüchsigen Garten verwandelten, boten perfekte Voraussetzungen. Schnell wurde klar, dass dieser Ort das Potential hatte, mehr als den reinen Zweck zu erfüllen. Über das wetterunabhängige Skaten hinaus bot das RAW-Gelände einen Raum zum Ausleben der Kreativität und einen Treffpunkt für die Skateboard-Szene, der alle Facetten ihrer Kultur zusammenbringt und Identifikation stiftet.

Gründung der Five-O-GmbH

2004 hatten wir den perfekten Ort für unsere Bedürfnisse gefunden. Im Verein entstand ein schlagkräftiges Team, dass fest entschlossen war, das Projekt ‚Skatehalle in Berlin‘ umzusetzen. Dennoch war ein wichtiger Faktor noch unklar: Die Finanzierung.

Trotz intensiver Bemühungen wurde der Verein nicht öffentlich gefördert und von den Banken wurden keine Kredite in Aussicht gestellt.

So kamen die rund 15 Aktiven der damaligen Zeit schon früh an einen Scheidepunkt: Die Banken boten bei einer GmbH-Gründung entsprechende Kredite an und so haben sich dann damals Iana Oswald und Tobias Freitag entschieden, auch das persönliche Risiko einzugehen und sind den Schritt zur Gründung der Five-O GmbH gegangen.

 

 

 

 

Von der verfallenen Schmiedehalle zur Skatehalle

Bevor überhaupt ein Betrieb auf dem alten Bahngelände möglich war, musste zunächst die Infrastruktur erneuert werden. Von der Revaler Straße aus wurden die Wasser-, Gas-, Strom- und Telefonleitungen über das gesamte Gelände neu verlegt. Meterdicker Stahlbeton und Eisenbahnschienen wurden aufgestemmt und ca. 150 m lange bis 1,80m tiefe Schächte gegraben. Im 1. Winter 2004/2005 konnte zunächst ein kleiner Bowl-Bereich in die alte Schmiedehalle gebaut und danach um eine Street-Fläche und Vert-Rampe erweitert werden. Dieser Bereich ließ sich sogar mit eigens installierten Heizstrahlern von der Decke aus heizen.

 

 

 

 

Neue Projekte, das Five-O-Ensemble wächst – Cassiopeia, KletterKegel, Cassiopeia Sommergarten, Freiluftkino
Von Anfang an stand immer ein Gesamtkonzept im Vordergrund, um die 1600 m² Skatefläche zu betreiben. 2 Fragen waren für die Entwicklung immer entscheidend: Passt das Angebot ins Gesamtkonzept? Und trägt es dazu bei, die Skatehalle quer zu finanzieren?

Nach Inbetriebnahme der Skatehalle wurde ein Jahr später der erste Floor vom Cassiopeia Club eröffnet. Parallel engagierte sich der Graffiti-Künstler Christian Wahle für die Umnutzung des Spitzbunkers zum ‚Kletterturm für seilunterstütztes Klettern‘.

Mit Andrea Stosieck kam 2006 die Betreiberin des Sputnik Kinos aus Kreuzberg hinzu und eröffnete das Freiluftkino ‚Insel‘. Die Freiflächen im Five-O-Ensemble entwickelten sich zu einer Oase im Kiez mit Spiel- Freizeit und Skatemöglichkeitebn – dem Sommergarten. Die Angebote entstanden schrittweise aus dem Bedarf und den Möglichkeiten der Nutzer heraus. Stück für Stück entwickelten sich so organisch die Inhalte und das Nutzungskonzept wie es heute existiert.

Ab 2008 grenzten wir die Strukturen inhaltlich klarer voneinander ab, indem wir den Tagesbetrieb vom Nachtbetrieb trennten und die Verantwortlichkeiten aufteilten. Iana Oswald betrieb nun das Cassiopeia, die Five-O fortan nur noch die Skatehalle und den Sommergarten. Wir konzentrierten uns auf die Bereiche, die unseren Interessen und Stärken entsprachen und entwickelten die Angebote im Five-O-Ensemble kleinteilig weiter. Damit änderte sich auch formal das Finanzierungsmodell für die Skatehalle: Die Einnahmen flossen nun nicht mehr alle in einen Topf, sondern über Untermietverträge neu strukturiert.

Planungssicherheit bis 2020 – Ausbau und Erweiterungen im Five-O-Ensemble

Nachdem Five-O die Verantwortung für den Betrieb des Cassiopeia und den Kegel abgab und sich das Five-O-Ensemble entwickelte, wie es heute besteht, verging eine Menge Zeit. Das Ende des Mietvertrages war jedoch bereits in Sicht und es begannen lange, schwierige Verhandlungen, bis 2010 endlich ein neuer Mietvertrag über zehn Jahre unterzeichnet werden konnte.

Dies gab dem gesamten Ensemble noch einmal Rückenwind. Gleichzeitig ermöglichte die Laufzeitverlängerung auch neue Investitionen.

Der Kegel ergänzte sein Angebot mit dem Bau einer Indoor-Boulderhalle und wuchs zu einem Kletterzentrum heran, das sowohl über seilunterstützte Kletterrouten, als auch über einen Indoor- und Outdoor-Boulderbereich verfügt.

Das Cassiopeia schaffte mehr Platz für den Clubbetrieb und konnte durch den Anbau eines dritten Floors sogar parallel Konzertprogramme anbieten. Außerdem verbesserte es seine Infrastruktur und schaffte sich unmittelbar neben dem Club einen Verwaltungs- und Lagerbereich.

 

 

 

 

Skatehalle – aus Betonhausen über das Skate-Haus zum/ ins Haus 23
Nach Abschluss der Erweiterungsprojekte der beiden Projektpartner Cassiopeia und Kegel, begann die Five-O GmbH 2011 ebenfalls ein Erweiterungsprojekt in eigener Sache. Im Außenbereich der Skatehalle hatte sich in den Jahren zuvor mit der Do-It-Yourself -Betonlandschaft ‚Betonhausen‘ ein neuer Trend im Skateboarding zementiert. Unsere Vision war, aus dem angrenzenden Haus 23 ein skatebares Haus zu entwickeln, inklusive einer großen Betonlandschaft und Büroflächen, um den Skatebetrieb parallel mit einer hochwertigen Medienproduktion zu begleiten.

Zu Beginn des Projekts war die Aufmerksamkeit weltweit riesig, internationale Skateteams besuchten das Projekt und die Medien feierten diesen besonderen Ort als einzigartige Location. Doch leider flaute das Interesse dann auch schon bald wieder ab und uns gelang es nicht, das Skatehaus in den täglichen Betrieb zu integrieren. Ab 2015 wurde deshalb das Nutzungskonzept noch einmal angepasst. Geblieben sind mehrere Projekte die im Skateboarding verwurzelt sind.

Projektübergreifende Zusammenarbeit im Five-O-Ensemble

Für die Projekte im Five-O-Ensemble ist vor allem die interne Zusammenarbeit wichtig. Schulklassen, die uns besuchen, können sowohl an Kletter- als auch Skateboardkursen teilnehmen. Zu den Skateboard- oder Kletter-Meisterschaften gibt es Filmpremieren professioneller Skater und Kletterer im Freiluftkino und im Anschluss wird im Cassiopeia gefeiert. Bands und Künstler, die im Cassiopeia Konzerte veranstalten, führen Pressetermine in der Skatehalle durch. Die Handwerker aus dem Haus 23 reparieren Skateboardrampen oder bauen neue Anlagen, wie z.B. den Kinderspielplatz und die Terrassen für den Sommergarten. Die Medienbetriebe aus dem Haus 23 berichten über Skateboard-Meisterschaften und produzieren Skate-Videos in der Skatehalle.

 

 

 

 

 

 

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